Pressemitteilung

Die Milch macht Schüler zu Unternehmern
-- Rheinpfalz, 11.01.2001 --

ROCKENHAUSEN: Schülerladen als Genossenschaft gegründet - Ein Firmenleben bis zum Schuljahresende

Wie werden 15-jährige Schüler zu Unternehmern? Ganz einfach, sie gründen einen Schülerladen. Und da sie hauptsächlich Milch an die Mitschüler verkaufen, ist der Name rasch gefunden. "Flotter Euter" Rockenhausen eG, so heißt ein Projekt des Wirtschafts- und Sozialkunde-Kurses (WiSo) der neunten Klasse der Rockenhausener Realschule.

Kurz vor den Weihnachtsferien hielten die Schüler die Gründungsversammlung ihrer Genossenschaft ab. Dabei traten 17 Mitglieder der Genossenschaft bei, neben Schülern auch der Förderverein und die Schülervertretung. Alle Genossen verpflichteten sich zur Zahlung eines Geschäftsanteils, für die Schüler je 20 Mark, Förderverein und Schülervertretung steuerten mehr bei, dafür müssen sie aber auch haften. Zeichnungsberechtigt waren ausschließlich die 14 Teilnehmer des WiSo-Kurses der neunte Klasse von Kurs-Lehrer David Vogel, der Förderverein und die Schülervertretung.

Gleichzeitig wurde ein fünfköpfiger Vorstand gebildet: Jeremias Leserer ist für das Personal Zusttändig, Ulrike Schönbeck für die Finanzen, Michael Rößel für das Marketing, Patrick Troubal für den Einkauf und Patric Stein für die Logistik. Als Vorstandssprecher wurde Jeremias Leserer gewählt.

Die Gründung einer eigenen Gesellschaft ist Teil des BOSS-Projektes, an dem die Realschule teilnimmt. BOSS steht dabei für Berufliche Orientierung Schüler als Selbstständige. Bei dem vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium initiierten Projekt lernen die Schüler bei Gesprächen mit Unternehmern, in Workshops und Planspielen, Wirtschaftsthemen aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Seit Oktober waren die Schüler des WiSo-Kurses mit den Vorbereitungen der Gesellschaftsgründung beschäftigt. Gemeinsam mit ihrem Lehrer haben sie sich nicht nur die Gesellschaftsform ausgesucht, sondern auch ein eigenes Statut gegeben.

Dass der Schülerladen nun als Genossenschaft und nicht als Aktiengesellschaft firmiert, hat auch Gründe. "Wir hätten in einer AG weniger Stimmrecht als die Schülervertretung oder der Förderverein", sagt Michael Rößel. In der Genossenschaft könne der Vorstand freier entscheiden. Ganz so frei sind die Vorstandsmitglieder nicht.

Sie haben ein Kontrollgremium, das ihnen auf die Finger schaut: den Aufsichtsrat. Dem gehören die Vertreter des Fördervereins, der Schülervertretung und Christiane Schönauer-Gragg, Konrektorin der Realschule, an.

Der Schüler-Laden "Flotter Euter" bietet in den Pausen Schulmilch, Multivitamin- oder ACE-Drinks und "gesunde" Snacks wie Müsli-Riegel an. Außerdem werden Artikel des Fördervereins vertrieben. Künftig könnte das Sortiment um T-Shirts der Schülervertretung aufgestockt werden. Allerdings laufen die Verhandlungen noch. Dafür liegt schon die vorläufige Kalkulation des Klein-Unternehmens vor. Der "Flotte Euter" will bis zum Ende des Schuljahres im Juni rund 6300 Mark umsetzen. Abzüglich des Einkaufspreises und der Kosten in Höhe von 1275 Mark erwarten die Genossen einen Gewinn von 500,70 Mark. Und auch die Gewinnverwendung ist schon gemäß der Satzung verplant: Die Schülervertretung erhält zwei Fünftel, zwei Fünftel werden den Mitarbeitern des Schülerladens zur Verfügung gestellt (Rößel: "Davon unternehmen wir etwas in der Stadt"), ein Fünftel erhalten die Genossen auf ihre Geschäftsanteile. Zum Schuljahresende wird die Genossenschaft aufgelöst. Dann sind die neuen Neuntklässer am Zuge. Sie können zumindest die Geschäftsausstattung übernehmen. (daa)

RON - RHEINPFALZ ONLINE, 11.01.2001

Die Genossen
Die Genossen auf der Gründungsversammlung



Unterschreiben der Gründungsurkunde
Unterschreiben der Gründungsurkunde



Der Vorstand
Der Vorstand
 


TV ist auch dabei
Der Aufsichtsrat - bestehend aus Schüler, Schulleitung, Förderverein





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