- Pressebericht
Liebe Schüler, sicherlich kennen Sie Dagobert Duck. Er ist die
reichste Ente der Welt. Geld stinkt nicht. Das ist seine Devise. Und vielleicht zählt er deswegen
immer wieder sein Gold und seine Geldbündel. Aber nicht nur das, er badet auch in seinem Geld.
Wie das geht? Ganz einfach: er wirft es in die
Luft, er wälzt sich darin. Ganz anders ist Dagoberts Neffe Donald. Er ist
arm, braucht sich keine Sorgen über die Panzerknacker zu machen und
bezeichnet im Streit seinen knauserigen Onkel Dagobert als "Only a poor
old man". "Bah! Kindergeschwätz!" antwortet Dagobert. "Mir macht es eben
Spaß, wie ein Seehund in mein Geld zu springen, wie ein Maulwurf darin
herumzuwühlen und es in die Luft zu schmeißen, dass es mir auf die Glatze
prasselt."
Meine Damen und Herren, Dagobert ist darüber
hinaus auch ein Unternehmer. Den Grundstock seines Vermögens hat er mit
einem Schuhputzkasten seines Vaters gelegt - so hat er die ersten Kreuzer
erwirtschaftet, ist dann in die USA ausgewandert und hat es dort zu einem
der reichsten Männer der Welt gebracht: "Vom Schuhputzer zum Millionär"
sozusagen. Aber ich will ihnen damit nicht den Rat geben, sie sollten
anfangen Schuhe zu putzen, obwohl man damit durchaus auch Geld verdienen
kann. Es ist die Botschaft, die mir an der Geschichte am besten gefallen
hat. Man ist arm, wenn man nicht ab und zu tun kann, was einem Spass
macht. Denn das ist auch das Motto, das wir über unser Projekt BOSS
gestellt haben "Unternehmer sein macht Spaß!". Ich behaupte das nicht
einfach nur so. Auch ich habe einen Betrieb zuhause und es gibt ganz
wenige Tätigkeiten - das versichere ich Ihnen - bei denen man eine Arbeit
hat, die selbstbestimmt und nicht fremd bestimmt ist - eben sein eigener
Boss ist.
Unser Projekt B.O.S.S. haben wir im
vergangenen Jahr mit fünf Schulen gestartet. Es hat ein so gutes Echo
gefunden hat, dass heute 40 Schulen mitmachen. Sie haben alle heute
Unternehmer in die Klassen eingeladen, um mit ihnen zu diskutieren - über
die Wirtschaft, die Selbstständigkeit und zu hören, was ein Unternehmer
denkt und macht.
Wir haben mit Boss nicht nur das Ziel, Ihnen
heute einen interessanten und vergnügungsreichen Tag zu ermöglichen. Das
wird er mit Sicherheit. Wir möchten Ihnen eine neue Perspektive aufzeigen.
Eine sehr attraktive Perspektive, nicht nur für diejenigen unter Ihnen,
deren Eltern oder Verwandte ein Unternehmen haben und die schon einmal
darüber nachgedacht haben, dort später einmal mitzuarbeiten. Es ist auch
nicht nur eine Perspektive für alle, die sich einmal für einen
Handwerksberuf entscheiden. Dort ist ein eigenes Unternehmen nach Lehre,
Gesellenjahren und dem Meisterbrief eine sehr gute Option, die bereits
viele junge und begabte Leute nutzen. Es ist auch etwas für diejenigen,
die einen ganz anderen Beruf lernen: Krankenschwester oder Altenpflegerin
zum Beispiel. Einen technischen oder einen kaufmännischen Beruf. Oder ein
Studium.
Sie vergeben sich eine wertvolle Chance, wenn
Sie die Möglichkeit, in ihrem Leben ein eigenes Unternehmen zu starten,
von vorne herein ausschließen. In vielen Köpfen schwebt das Ideal, in
einem großen Unternehmen oder einer Behörde einen "sicheren" Arbeitsplatz
zu finden. [...]
Ein Viertel der gesamten Bevölkerung - und
damit meine ich die erwachsene Bevölkerung - weiß darauf keine Antwort.
Und ein weiteres Drittel ist der Meinung "Arbeitsplätze, die macht der
Staat". Sie dürfen uns heute mit Ihren Fragen löchern und wir werden unser
Bestes tun, um Ihnen Rede und Antwort zu stehen. Arbeitsplätze, Sie wissen
es, fallen nicht vom Himmel. [ ...]
Wir tendieren dazu, jedem, der einmal keinen
Erfolg hatte, auch für die Zukunft keinen Erfolg zuzutrauen. Vielleicht
haben Sie selbst schon einmal so ähnlich gedacht: Ein Mitschüler hat viele
Klausuren verpatzt, Sie wissen, er ist selbst schuld, weil er faul war und
sagen dann: er hat seine Chance gehabt. Wenn wir sehen, einer hat immer
wieder verloren, sagen wir sehr schnell: er hat seine Chance gehabt.
Anders in Amerika, dann würden Sie normalerweise sagen: dieser Schüler hat
eine Chance. Die Amerikaner haben in vielen Punkten eine andere Denke,
eine andere Sprache und Kultur. Und weil sie sehr viel risikofreudiger
sind, haben sie auch sehr viel mehr junge Unternehmen. [...]
Deswegen: Auch wenn Sie im Fußball morgen
Nachmittag verlieren, wenn Sie eine Klassenarbeit verpatzt haben oder sich
mit ihren Freunden verkracht haben. Eine Kultur der zweiten Chance - das
ist ein wichtiger Grundpfeiler, nicht nur für viele neue Unternehmen,
sondern für den Erfolg an sich. Und es liegt an uns, ob wir eine
Gesellschaft bilden möchten, die jedem diese Chancen einräumt. Mut,
Risiko, das Vertrauen auf den Erfolg ist die eine Seite, Angst,
Passivität, Jammern und Klagen die andere. Ich will Sie jetzt nicht länger
davon abhalten, selbst aktiv zu werden. Ich wünsche Ihnen bei den
Workshops, bei den Gesprächen mit Unternehmern und Existenzgründern, viele
gute Anregungen. Trauen Sie sich, fragen Sie, diskutieren Sie. So eine
gute Gelegenheit bekommen Sie nicht oft. Vielen Dank!