BOSS  - Pressebericht
11. Nov. 2006
Stichwort

B.O.S.S.

Die Abkürzung steht für Berufliche Orientierung: Schüler als Selbstständige. In Gesprächen mit Unternehmern der unterschiedlichsten Branchen soll den Schülern Zugang zu Unternehmertum und Selbstständigkeit, Orientierungshilfe bei der Berufswahl gegeben werden.

Ins Leben gerufen wurde der Aktionstag im Jahr 1999 - auch unter Beteiligung der Realschule Rockenhausen und der IGSMR, die von Beginn an bei "BOSS" dabei sind. Waren beim Auftakt damals nur fünf Schulen beteiligt, so nahmen am 8. "BOSS-Tag" in dieser Woche etwa 100 Schulen in ganz Rheinland-Pfalz teil. In Rockenhausen haben acht Unternehmen beziehungsweise Selbstständige aus der Region sich und ihre Berufe vorgestellt: Reisebüro Nicolaus (Christa Nicolaus, Rockenhausen), "Grüne Berufe" in der Landwirtschaft (Gabriele May, Landjugend Rheinland-Nassau), Multimedia: Informationstechnikermeister (Udo Lutz, Rockenhausen), "Netassist" (Christian Brosius, Spiesen-Elversberg), "Unicatum" (Christian Lott, Kaiserslautern), "Ich AG" - Gesundheitssport (Susanne Steinhauer, Mörsfeld), Event-Agentur (Dennis Kolter, Rockenhausen), Instrumentenbauer (Volker Dilg, Göllheim).

Selbstständig werden? - Lieber nicht

ROCKENHAUSEN: "Multimedia"-Workshop mit Udo Lutz beim "BOSS-Tag"

Jonas, Jannik, Ron und Dominik diskutieren auf dem Gang fleißig weiter. Sie haben beim 8. "BOSS-Tag" im Rockenhausener Schulzentrum gerade den Workshop "Multimedia" besucht. Später mal selbstständig werden? Allenfalls dann, wenn es sich auch finanziell lohnen würde, lautet ihr Tenor. Aber eigentlich lieber nicht. Für die Mehrzahl der Schüler von Realschule und IGSMR haben die Erfahrungen, die ihnen Udo Lutz vom "Selbstständigsein" geschildert hat, einen eher negativen Eindruck hinterlassen.

Positiv fasst dagegen Udo Lutz seinen Eindruck vom Workshop zusammen: "Es wurde kaum dazwischen geredet - manche Lehrer wären wohl froh darüber." Aber das ist auch kein Wunder: Lutz hat trotz seiner "erst" 35 Jahre viel zu berichten. Viele potenzielle Fragen der Zehnklässler hat er im Vortrag bereits aufgegriffen und beantwortet. Und so gibt es auch einen kräftigen Applaus für den Informationstechnikermeister, Inhaber der gleichnamigen Firma in Rockenhausen.

Nach 84 Absagen auf Bewerbungen habe er begriffen, dass er andere Wege gehen müsse, schilderte Lutz, der die ehemalige Hauptschule in Rockenhausen besucht hatte. Er holte mittlere Reife und Abitur nach und studierte. Zu dieser Zeit war er schon selbstständig, eine negative Erfahrung bestärkte ihn in seinem Vorhaben. Ob er sich noch mal selbständig machen würde - Lutz bestätigt es mit einem klaren Ja.

Wobei er nicht verschweigt, dass es dabei Höhen und Tiefen gibt. Er habe die Motorsteuerung einer Kamera für die Filmindustrie entwickelt, die von der damaligen Firma Mayer aus Rockenhausen gebaut wurde. Lutz lernte "die große Welt" kennen: Malibu, Hongkong sowie die Filmstudios in München und Berlin gehörten zu seinem Alltag. Doch der Stress sei immer größer geworden, ein Unfall auf der Autobahn kostete ihn vorübergehend den Führerschein. Folge der eingeschränkten Mobilität sei seine berufliche Pleite gewesen. Schließlich habe ein Ausfall der Steuerung bei einem Boxkampf in Las Vegas zu hohen Schadenersatzforderungen und dem Ende der Firma geführt. Er habe sich mit verschiedenen Jobs durchgeschlagen, um seine Restschulden abzutragen - und sich danach sofort wieder selbstständig zu machen. Mittlerweile ist er in die Computer- und Netzwerktechnik eingestiegen und vertreibt sowie repariert heute hauptsächlich PCs.

Was hat ihn bewogen, sich nach den schlechten Erfahrungen wieder selbstständig zu machen? Und: "Lohnt sich das finanziell", fragt Ron. Von Lutz kommt ein eindeutiges Nein, er könnte auf dem freien Markt sehr gut verdienen. Doch wolle er Dinge machen, hinter denen er "menschlich" stehe, die er selbst gestalten und denen er seine eigene Note aufdrücken könne. Wichtig sei ihm auch der Kontakt zu seinen Kunden. Postkarten aus dem Urlaub oder Dankesschreiben seien für ihn ein wichtiges Feedback.

Der betreuende Lehrer Wiljo Mands fasst diese Lebenseinstellung in dem Satz zusammen: "Da sitzt ein Individualist." Seinen Schülern stellt er die Frage: "Wie hat es sich für Euch angehört - optimistisch oder eher negativ?" Antwort: siehe oben. (aldl)

DIE RHEINPFALZ - Samstag, den 11. November 2006 -----------------------

BOSS-Startseite