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Pressebericht der RheinpfalzBoss-Schildchen stechen ins Auge. Im Schulhof, im Saal, in den Klassenzimmern. An XXL-Sweat-Shirts, grellrosa Dralon-Blusen und grauem Anzug-Tweed. Alles Markenfritzen hier, oder was? Aber nein. Kein Hugo Boss. Hier geht's um ein Projekt, das B.O.S.S. heißt, berufliche Orientierung bringen soll und als schwarzer Schriftzug auf gelbem Grund Schülern, Lehrern und Gästen das Revers ziert.
Noch mehr an die Brust Geheftetes gibt es. Namensschildchen etwa, die die Neunt- und Zehnklässler der Realschule und der Integrierten Schule Rockenhausen als Tatjana, Julia oder Elisa, als Benjamin, Jan oder Igor ausweisen. Sie quetschen sich in den großen Saal der Donnersberghalle, Rucksack an Felltasche, Cargohose an Piercing, gelbe Zettel in der Hand. Ein Quizspiel zum Aufwärmen. Dafür braucht's noch mehr Anstecker - an den Unternehmern im Saal, die über angeklebte Lettern Firmen zugeordnet werden sollen. "Was für ein Unternehmer sind Sie denn?" wird Herr C gefragt.
Herr C ist Michael Detjen vom DGB Kaiserslautern und gar kein Unternehmer. Auf die Notwendigkeit der Gewerkschaft will er hinweisen, den B.O.S.S.-Tag hält er für eine gute Gelegenheit. Zusammen mit dem "Boss" der Firma HegerGuss aus Enkenbach wird er mit Schülern eine Tarifverhandlung durchspielen. Ach so. In Klüngeln ziehen die Teenager weiter, versuchen, die Rechnung mit mehreren Unbekannten zu lösen. Sarah Sari von der Boutique "per te" in Rockenhausen schlendert listig vorm Stand von Heizungsbauer Dietmar Keller rum. "Einige haben echt gedacht, ich sei Heizungsbauerin", feixt die schmale Schöne über den gelungenen Coup. Workshops, Kinners! Schluss mit Rätseln.
Die Moderatoren Christiane Schönauer-Gragg und Walter Liebl lüften das Geheimnis. Alle Unternehmer auf die Bühne, bitte. G und I entpuppen sich als Sabine und Ralf Hinkel von der Höringer Firma "Mobotix", L trägt die Krankengymnastin Sandra Buhrmann aus Rockenhausen, Hs zweites Ich ist Klaus-Werner Jörg von "Androtec", Kaiserslautern. Und so weiter und so fort, bis aus allen Buchstaben Menschen geworden sind. Zweiter Teil des Tages: Workshops im Gebäude nebenan. Dicke Turnschuhe und Glitzer-Spängelchen auf Wanderschaft. Elementare Fragen. "Wo issen Moritz?", "Kommt jemand mit zu de Internet-Kameras?", "Was laaften zwische dir unn em Björn?" Was mit Björn läuft, bleibt unklar, Moritz hingegen wird gefunden: So heißt eines der beiden Restaurants von Annette Schönenberger, die in Zimmer 502 "Azubis - notwendig oder billige Arbeitskräfte?" anbietet.
"Heizungsbau fängt in fünf Minuten an!" schallt es über den Flur. Nachzügler trudeln ein, Türen zu, Ruhe. 45 Minuten später, die Tür von 502 fliegt auf, raus kommen Yvo Kosmann und Anja Eymann. Kneipenbesitzer wollen sie werden und der Workshop, ja, der habe ihnen was gebracht. "Wir müssen eine Marktlücke auftun", sagt Yvo. "Und am besten tut man sich mit einem Partner zusammen", weiß Anja jetzt, dass geteilte Kosten halbe Kosten sind. Workshop-Leiterin Schönenberger freut sich auf dem Weg zurück zum Saal - dort wird Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage erwartet - über das Interesse der Jugendlichen. Yvo hat seine Tasche vergessen, der Kneipier in spe rennt zurück.
Im Foyer der Donnersberghalle sind Schnittchen und Säfte, aber kein Wirtschaftsminister. "Er kommt 20 Minuten später" wird per Lautsprecher verkündet. Programm-Änderung. "War gut vorhin", lautet Dietmar Kellers Urteil auf dem Weg zurück in die Workshops. Es seien zwar immer welche dabei, die rumlümmeln oder nur Quatsch machen. "Aber denen muss man zeigen, wo der Hammer hängt. Dann klappt's", weiß der Heizungsbauer aus Münsterappel, der nach dem B.O.S.S.-Tag 1999 einen Schüler als Azubi eingestellt hat. Das mit der Selbstständigkeit kann ja noch warten. Yves Scheuermann und sein Kumpel Christoph Mühlbach, beide 15, beide noch bei den Schnittchen, wollen sowieso keine Unternehmer werden, sondern Fußball-Profi und Lufthansa-Mechaniker. Der 17-jährigen Katrin Herrle dagegen schwebt ein eigenes Hotel in den USA vor. Und im Workshop von "Mobotix" hat sie gute Tipps gekriegt. Sagt sie.
"Der Minister ist jetzt doch da!" Okay. Kein Problem. Kommando zurück in den Saal. "Unternehmer sein macht Spaß", spricht Bauckhage ins Mikro und: "Geld stinkt nicht". Die "Message": Fürs Geld verdienen muss sich keiner schämen. Und wer beizeiten den richtigen Riecher entwickelt, kann sich einst echte Boss-Klamotten leisten. Vom Hugo. Ein Schüler-Handy klingelt. Was Unternehmer werden will ...
Vom Redaktionsmitglied: Sigrid Lapp RON - RHEINPFALZ ONLINE, Mittwoch, 6. Sep