S tatt faulenzen wird in Ferien gebuddelt und betoniert


ROCKENHAUSEN : Realschüler stellen weitgehend in Eigenleistung Metall-Baum als Erinnerung an 40-jähriges Bestehen her

Seit Freitag sind Osterferien - nicht jedoch für fünf Rockenhausener Realschüler: Die „opfern" nämlich in der Karwoche freiwillig einige Tage ihrer Freizeit - zum Graben, Schaufeln und Betonieren. Hintergrund der ungewöhnlichen Aktion: Der „Amateur-Bautrupp" legt im wahrsten Sinne des Wortes den Grundstein für einen Metall-Baum. Dieser soll zukünftige Realschüler an das 40-jährige Bestehen der Schule im Jahr 2006 erinnern.

Mehr Fotos von der Planung bis zur Fertigstellung - Hier der Wochenblatt-Bericht

Die Idee für die pflegeleichte „Pflanze" hatte der Zehntklässler René Bechberger, zugleich Leiter des eigens ins Leben gerufenen „Bauprojekt-Teams". In monatelanger Arbeit erstellten Bechberger und Co. selbst die notwendigen Pläne, nach denen in dieser Woche zunächst einmal das Podest für den Baum hergestellt wird. „Wir müssen ausgraben, einschalen, betonieren, den Beton ziehen lassen und wieder ausschalen", sagt Bechberger - der, wen wundert"s, nach Abschluss des Schuljahres eine Ausbildung bei der Firma igr als Bauzeichner beginnt.

„Onkel Günther" Bauleiter

Aber auch in der Praxis weiß der Noch-Realschüler, wovon er spricht: Sein Onkel Günther Bechberger hat in Sippersfeld ein Bauunternehmen - und sich zudem bereit erklärt, unentgeltlich die Bauleitung für die „Podest-Arbeiten" zu übernehmen. Neben den Bechbergers packen seit Freitag Robin Graf, Andreas Haber, Sebastian Türoff und Martin Leister mit an. Und Bürgermeister Karl-Heinz Seebald hat beim offiziellen Spatenstich am vorigen Donnerstag zugesagt, einen Mitarbeiter des städtischen Bauhofes als Hilfe zur Verfügung zu stellen. Damit nicht genug des Engagements: Beim ersten Arbeitseinsatz am Freitag wurden die „Hobby-Maurer" von ihren Mitschülerinnen Klara Schöneberger (9. Klasse) und Anna-Lena Heusser (8. Klasse) bekocht. Die haben sich - assistiert von Verbindungslehrer Thomas Halfmann - spontan bereit erklärt, in den kommenden Tagen für das leibliche Wohl der Arbeiter zu sorgen.

Den Baum selbst fertigen nach den Osterferien ebenfalls die Schüler an. Dabei werden Metall-Blätter mit den Namen der rund 600 aktuellen Realschüler an die „Äste" geschweißt. „Im BK-Unterricht stanzt jeder seinen Namen selbst auf ein Blatt", so Bechberger. Aber auch Sponsoren, Ehemalige, Lehrer oder Eltern, die etwas für das Projekt gespendet haben, können sich auf diese Weise am Metall-Baum „verewigen".

„Dieses Angebot gilt nach wie vor", so Schulleiterin Christiane Schönauer-Gragg. Denn trotz der immensen Eigenleistung seitens der Schüler sei die Schule bei dem aufwändigen Projekt auf (finanzielle) Hilfe angewiesen: Die Kosten für den Metall-Baum werden laut Schönauer-Gragg zirka 5000 Euro betragen. Neben Günther Bechberger und Seebald dankte sie daher beim ersten Spatenstich den Sponsoren: der Firma Keiper, vertreten durch Gerald Heeger, der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern in Person von Hubert Prügel, dem Förderverein der Realschule , aber auch den Schülern und ihren Eltern: Die haben nämlich zusammen bereits über 1000 Euro für das Projekt gesammelt.

„Mehr Engagement als je erwartet"

Vor allem lag Schönauer-Gragg jedoch am Herzen, der Truppe um René Bechberger ein großes Lob auszusprechen: „Das war richtiges Projektmanagement, was hier in den letzten Monaten geleistet wurde." Und sie dankte den Schülern, die in den Ferien schuften statt faulenzen: „Das ist viel mehr freiwilliges Engagement, als wir jemals erwartet hätten."

Auch Joachim Bayer zeigte sich als Vertreter des Realschul-Fördervereins begeistert von der Initiative der Schüler: „Wir haben spontan entschieden, dass der Belag des Podestes nicht aus Beton, sondern passend aus Natur-Stein hergestellt wird." Nach Klängen der schuleigenen „Big Band" ging"s dann für die Schüler erst mal in die Osterferien - jedenfalls für die meisten von ihnen... (kra)



DIE RHEINPFALZ, 10. April 2006