Comenius  - Projektbeschreibung 00--------
Thema "Umweltschutz" - neue Wege des Tourismus in Ungarn - aufgezeigt am Nationalpark Balaton-Oberland 

Im Rahmen des Comenius Programmes besuchte eine Gruppe von fünfzehn Schülern, zusammen mit der Leiterin des deutschen Projekts Beate Geminn von der Realschule Rockenhausen und dem Leiter des ungarischen Projekts Karoly  Nez und der Biologin  Katalin Tölgyesne-Kovacs vom Zrinyi-Miklos-Gymnasium , das Naturschutzgebiet Balaton - Oberland. Geführt wurde die Gruppe von einer „Rangerin“ des Nationalparks Balaton – Oberland.

Hier sollte den Schülern ein weltweit bedeutendes Projekt des Öko  - Tourismus vorgestellt werden .

 Die Forschergruppe

A Vorbereitung des Projekts

Da unsere Schule seit sechs Jahren einen Schüleraustausch mit dem  Zrinyi-Miklos-Gymnasium in Zalaegerszeg durchführt und einige der am Projekt beteiligten Schüler auch schon mehrmals in Ungarn waren, ist den Schülern die Bedeutung Ungarns als Tourismusland bekannt. Zur Vorbereitung des Projekts wurde den Schülern der Realschule in Rockenhausen und am Zrinyi-Miklos Gymnasium in Zalaegerszeg an Zahlen und Beispielen deutlich gemacht, welche Bedeutung der Tourismus für Ungarn, aber besonders für die Region Plattensee hat. Dabei wurde auch auf die verstärkte Bedeutung des Tourismus in Zalaegerszeg hingewiesen. Die Schüler erfuhren in diesem Zusammenhang von ihren Partnerschülern, warum es für sie so wichtig  ist, mindestens eine Fremdsprache zu beherrschen. Das Kennenlernen der ungarischen Sprache als Vorbereitung des Besuchs und die Intensivierung zu Beginn des Austauschs verdeutlichte die Schwierigkeiten, die das Erlernen des Ungarischen macht. Sowohl ungarische Kollegen als auch ungarische Schüler des Austauschprogramms vermittelten, dank ihrer exzellenten Deutschkenntnisse, erste Ausdrücke in ungarischer Sprache. Am Ende der Einheit konnten alle Teilnehmer ein kleines Alltagsgespräch in ungarischer Sprache führen. In einer zweiten Einheit wurde in Hinblick  auf den baldigen EU-Beitritt Ungarns die Bedeutung des Sprachenlernens für ungarische Schüler verdeutlicht .

Aus eigener Anschauung kannten einige Schüler die hohe Zahl der Touristen im Balatongebiet.

Ein Besuch der Realschüler auf der Halbinsel Tihany machte nochmals deutlich, dass die große Zahl von Touristen auf die Dauer nur zerstörerisch auf die Landschaft wirken kann.


Ungarischkurs im Klassenraum...

... und am Computer
B Durchführung des Projekts
1. Allgemeine Informationen zum Nationalpark Balaton-Oberland
Versehen mit diesem Wissen begab sich die Gruppe am dritten Tag ihres Besuchs in den Nationalpark Balaton-Oberland. Eine Rangerin des Parks stellte der Gruppe zunächst einmal das Konzept des Nationalparks vor: Hauptaufgabe des Nationalparks ist die Aufbewahrung der nationalen und internationalen Landschafts- und Naturwerte für die Wissenschaft, das Schulungswesen und den Ökotourismus in ausgewählten Gebieten. Die Nationalparkverwaltung versucht die Werte der Gegend den Besuchern näher zu bringen.
Der Nationalpark Balaton-Oberland erstreckt sich vom Wald von Balatonfüred bis zum Sumpfgebiet des Kleinen Balatons. Seine Gesamtfläche beträgt 57 000ha. Der Nationalpark soll den natürlichen Zustand des geschützten Gebiets erhalten und die ökologische Stabilität der natürlichen Umgebung sichern. Seine geographische Ausbreitung ist damit zu begründen, dass die langjährige Erhaltung der Naturwerte nur in so einem großen, zusammenhängenden Gebiet gewährleistet werden kann. Diese Schutzarbeit wird durch die Zonenaufteilung unterstützt. Es hat sich in vielen Regionen der Welt bestätigt, dass die Bewahrung der Natur- und Kulturschätze nur durch ein größeres, in Zonen  aufgeteiltes Naturschutzgebiet möglich ist. Dabei sei es wichtig, dass die berechtigten Interessen der Einwohner, der Unternehmen und der Urlauber nicht verletzt würden, betonte die „Parkrangerin“.

2. Die Zonen des Nationalparks:

-           Zone 1 – Das Kerngebiet (streng geschützte Region).  Diese Gebiete sind in ihrer Urform erhalten geblieben und bewahren die wichtigsten Naturwerte. Sie können auf markierten Wegen betreten werden. In einigen Fällen braucht man dazu eine Genehmigung. Ihre Ausbreitung beträgt 11300ha, was 20% der Gesamtfläche ist.

-           Zone 2 – Behandelte Naturzone.  Wenig verändertes, in naturnahem Zustand erhaltenes Gebiet,  das mit natürlichen Methoden behandelt wird und unbeschränkt betreten  werden kann. Ihre Ausbreitung beträgt 20 300ha, was 35% der  Gesamtfläche ist.

-           Zone 3 – Touristische –oder Pufferzone.  Hier befinden sich die Gemeinden und Rebflächen des Nationalparks. Das ist die Zone des Massentourismus. Hier werden die Schätze des Nationalparks in Ausstellungen gezeigt und Rastmöglichkeiten sind vorhanden. Ihre Ausbreitung beträgt 25 200ha, was 45% der Gesamtfläche ist.

Außer der Bewahrung der Naturschätze spielt der Nationalpark auch in der Organisation des Ökotourismus eine große Rolle:

Er betreibt Besucherzentren, hat ein Informationstafelsystem errichtet, erarbeitet Broschüren und unterhält Lehrpfade. Daneben betreibt er auch eine erhaltende Tätigkeit, wie das Mähen und die Schilfbehandlung. Auch mit seiner amtlichen Tätigkeit bewirkt der Nationalpark die Erhaltung der Naturwerte: mit Hilfe des Naturschutzgesetzes erhält er die traditionelle Bewirtschaftung, bewahrt das Landschaftsbild auf den Weinbergen und genehmigt nur die in die Landschaft passenden Hausbauten. Bei der Land-, Wasser- und Forstwirtschaft werden ebenfalls die natürlichen Methoden bevorzugt.
3. Der Besuch im Nationalpark
Beim Besuch des Nationalparks fallen die eigenartigen Sarg- und Kegelformen ins Auge. Weltberühmt sind die vulkanischen Berge des Kali Beckens. Es sind versteinerte Sandhäufungen des ehemaligen Pannonischen Meeres, deshalb auch Steinerne Meere genannt. Der zweite wichtige Teil des Nationalparks ist die Balatonküste mit ihren mit Schilf bewachsenen Ufern.
a) Das Kali Becken
Der erste Besuchspunkt war das Kali Becken. Auffallend sind neben den Felsformationen die mediterrane Vegetation. Im östlichen Teil des Beckens bietet des Hegyestü mit seinen 20 Meter hohen Basaltsäulen einen überwältigenden Anblick. Der Hegyestü ist 338m hoch. Am Fuße des Berges befindet sich ein Bergwerk, das den Hegyestü bereits halb abgebaut hatte.
Nach der Restaurierung der alten Bergwerksgebäude eröffnete der Nationalpark dort eine Ausstellung, die das geologische Gebilde und die Geschichte des Basaltbergbaus vorstellt. Der Bergwerkhof wurde 1997 rekultiviert und es wurden Treppen gebaut, über die man in zehn Minuten die 338m hohe Bergspitze erreichen kann. Von hier aus kann man das ganze Kali Becken überblicken.
 Blick über das Kali-Becken
 
Dabei können auch die Überreste einer Festung aus der Zeit der Arpaden erkannt werden. In der Zeit der Könige aus dem Arpad – Haus wohnten die Gefolgsleute des Königshofes im Kali-Becken. Im Jahre 1341/42 tauschte der Bischof von Veszprem die Burg von Tatika gegen die Dörfer des Kali-Beckens. Die Bedeutung der Dörfer wird auch dadurch deutlich, dass viele Bewohner des Kali-Beckens Adelsrechte hatten. Während der türkischen Eroberung wurde das dichte Siedlungsnetz stark zerstört. Den Platz der verwüsteten Dörfer zeigen nur noch die Ruinen alter Kirchen.
Wegen des Kalksteins und des Dolomits sieht man trockene Zerreichenwälder. Sie sind in diesem Sommer gänzlich braun, weil es seit April nicht mehr geregnet hat. Im Frühjahr überzögen Primeln und Anemonen den Wald mit einem bunten Teppich erzählt die Biologin Katalin . Man kann auch die berühmte Strauchart des Balaton-Oberlandes im lichten Wald erkennen, den Perückenbaum. Die Blätter sind jetzt karminrot gefärbt. Früher kauften die Gerber die jungen Triebe und Blätter auf und so war das Perückenbaumsammeln eine wichtige Nebeneinnahmequelle der Bevölkerung. Als wir zurück zum Bergwerk gehen, erreichen wir am Rande des Waldes, oberhalb eines zerstörten Stalles einen Weidewald mit riesigen Ahornbäumen.
b) Die „Steinernen Meere“
Nun geht es zu den steinernen  Meeren des Beckens. Diese bizarren, aus Felsen bestehende Steinrücken, stellen eine einzigartige geologische Sehenswürdigkeit dar. Sie blieben nur im Kali-Becken erhalten, Das schönste von ihnen liegt in der Nähe von Szentbekkalla.
Diese Steinkolosse bewahren versteinerte Schollen des Pannon Meeres. Die Winde haben sie von den Ablagerungen befreit und an die Oberfläche gebracht. Die Steine wurden in früheren Zeiten als Mühlsteine verwendet.
Ein besonderes Erlebnis ist der sogenannte „Schwankende Stein“, der sich schon unter dem Gewicht von einem Menschen bewegt. Ein sehr beeindruckendes Experiment, das sowohl bei Leicht- als auch bei Schwergewichten funktioniert.
 
 

 Der obere Deckstein schaukelt leicht...

... unter dem Gewicht
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
c) Die Theodora-Quelle
Wir gehen an kleinen Tuffkegeln und Weinbergen vorbei zum Dorf Kekkut, an dessen Rande die berühmte Theodora-Quelle liegt. Das Mineralwasser wird unter diesem Namen in ganz Europa vertrieben.

Die Quelle

Das Egyed-Haus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
d) Das Egyed-Haus
Weiter geht es zum Egyed-Haus, einem volkstümlichen Kunstdenkmal. Das Wohnhaus mit vorderer Vorratskammer und Rauchküche stammt aus dem 18.Jahrhundert und war bis Ende der sechziger Jahre im zwanzigsten Jahrhundert  in unverändertem Zustand bewohnt . Das Egyed-Haus ist ein sogenanntes Kammhaus. Das heißt, dass die Grundstücke entlang der Dorfstraße nebeneinander liegen. Die Grundstücke sind schmal und tief, deshalb stehen die Häuser mit dem Giebel zur Straße. Sie sind angeordnet wie Kammzähne.
Die Häuser sind aus Holz gebaut und der Schwellenkranz aus Eichenholz wurde als Fundament unmittelbar auf die gestampfte Erde gelegt. Es kam vor, dass später ganze Häuser an diesem Schwellenkranz gefasst wurden und auf einen anderen Platz geschoben wurden. Auf  die vier Ecken des Schwellenkranzes wurden Holzpfeiler gestellt, die oben durch die Mauerlatte zusammengehalten wurden. Die Holzpfeiler wurden durch Stützholz am Schwellenkranz befestigt. Die Deckenbalken wurden dann über die Konstruktion gehoben. Im Hauptbalken, oft reich verziert, wurde die Bauzeit des Hauses verzeichnet. Schließlich kam die Dachkonstruktion, die aus Tannenholz gefertigt wurde.
Das Haus hat drei Räume: Stube – Küche – Kammer.
Längs des Hauses stehen die Pfeiler des Laubengangs, hier reich mit Ornamenten verziert. Das Haus ist mit Roggenstroh bedeckt. Es hat ein Walmdach und muss alle drei Jahre neu gedeckt werden. Wie alle alten Häuser hat es keinen Schornstein . Die Entlüftung geschieht allein über die Tür zum Laubengang. Die Küche hat einen lehmbeworfenen Ofen, eine Lehmbank und ein Kesselgestell. Die Kachelöfen der beiden anderen Räume wurden von hier beheizt. Der Rauch hatte einen Weg ins Freie durch den Dachboden. Die Wände des Gebäudes sind ein Flechtwerk mit Strohlehmputz.
e) Das Besucherzentrum
Am Dorfende von Salföld kann man im „Meierhof“ den zentralen Ausstellungsort des Nationalparks Balaton – Oberland besichtigen.
 

Das Besucherzentrum

    
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hier sieht man die in dieser Gegend  einstmals gezüchteten Haustiere:
- das ungarische graue Rind
- den ungarischen Büffel
-    das Mangalica – Schwein
-    das Racka – Schaf
-    den ungarischen Schäferhund
   Diese Tiere werden in der Meierei noch heute gezüchtet.
 

 

 

 

 


 


 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Meierei ist das Empfangszentrum des Nationalparks. Von hier aus starten in der Regel die mit fachmännischen Führern ausgestatteten Wander- und Kutschentouren zu den schönsten Naturschätzen der Gegend. Im Vorführraum der Meierei werden Filme und Dias vorgeführt über die Sehenswürdigkeiten, die seltenen Tier- und Pflanzenarten und die geologischen Schätze des Nationalparks.
Die Gebäude entstanden 1994-1998 aus den zusammengefallenen LPG-Ställen. Daneben wird aber auch die traditionelle Bebauung der Gegend gezeigt. So wurde sogar die Steinmauer der Einfriedung als Trockenmauer gebaut.
Am unteren Ende der Steinmauer, neben dem Parkplatz, steht das Wanderkartenhäuschen, das auf die Sehenswürdigkeiten des Ortes und seiner Umgebung aufmerksam macht.
 
C  Projektergebnis
Die meisten Bewohner des Kali-Beckens leben heute vom Weinbau und vom immer mehr wachsenden Dorftourismus. Inzwischen sind , Dank der Broschüren der Nationalparkverwaltung, die Restaurants und Pensionen des Balaton-Oberlandes bei den Touristen allgemein beliebt. Man versucht durch stilgerechte Renovierung die Attraktivität der Dörfer zu fördern. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass durch dies neu geschaffene Attraktivität die Gefahr besteht, dass der Nationalpark das Ziel zu vieler Touristen wird und damit das ökologische Gleichgewicht nicht mehr erhalten werden kann.
Der Nationalpark Balaton-Oberland kann unserer Meinung nach zum gegenwärtigen Zeitpunkt als Beispiel eines gelungenen Ökotourismus angesehen werden.
Natürlich konnten wir an einem Tag nur einen Einblick in die touristischen Möglichkeiten des Nationalparks gewinnen. Aber die Basaltsäulen des Hegyestü und schwankenden Steinen hinterließen einen nachhaltigen Eindruck.
Einige Teilnehmer des Projekts kannten schon andere Projekte des ungarischen Ökotourismus, wie den Kleinen Plattensee und den geologischen Lehrpfad auf der Halbinsel Tihany. Sie waren Gegenstand einer Führung  mit dem Schüleraustausch im vergangenen Jahr. Dabei wurde auch die Idee des Projektthemas geboren, da die Leiter der deutschen und der ungarischen Gruppe feststellten, dass sowohl ungarische als auch deutsche Schüler sehr viel Interesse an diesem Thema haben.
Die gemeinsame Arbeit der Schüler aus der Realschule Rockenhausen und dem Zrinyi-Miklos-Gymnasium  wurde auch in der ungarischen Presse positiv bewertet.
 ... allerdings auf Ungarisch

Dieser Bericht wurde erstellt von:

Eva-Maria Becker, Julia Bonn, Christian Brixius, Pamela Dexheimer, Jonas Fischer, Ann-Katrin Frantz, Christine Fritz, Annabel Geller, Kirrstätter Silke, Leserer Jeremias, Leserer Jerome , Schneider Moritz , Simon Paschmionka und Maurice Troubal  in Zusammenarbeit mit Beate Geminn (deutsche Projektleiterin) und Karoly Nez (ungarischer Projektleiter ).

 
Startseite Comenius