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ressebericht - 27.01.2006


Ein Waggon als Aufenthaltsraum und Sammelbusse


ALSENZ: Schüler der Nordpfalzschule, Realschule und IGSMR entwerfen Projekte für Nordpfälzer Entwicklungskonzept

Wie kann die nach Empfinden der Schüler unbefriedigende Situation an den Bahnhöfen verbessert werden? Zieht es Jugendliche aus der Region in ihrer Freizeit mehr in Richtung Kaiserslautern oder Bad Kreuznach? Wie kommen sie dort hin? Welche Veranstaltungen sollten in Jugendtreffs angeboten werden? Einige der Fragen, mit denen sich Schüler der Realschule Rockenhausen , der IGSMR und der Nordpfalzschule Alsenz innerhalb des ILEK-Projektes auseinander setzten - und versuchten, Antworten darauf zu finden.

Seit gut einem Jahr läuft das ILEK (Integriertes ländliches Entwicklungs-Konzept)-Projekt des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums in der Nordpfalz. Eine der Besonderheiten ist die Einbeziehung der Jugend, die es in dieser Form nur zwei Mal im Land gibt. So entwarfen Arbeitsgruppen in den genannten drei Schulen Projekte nach ihren Bedürfnissen. Ein gemeinsames Treffen der drei Arbeitsgruppen, bestehend jeweils aus sechs bis zwölf Teilnehmern der achten bis elften Klassen, fand nun in der Alsenzer Regionalschule statt.

Zunächst wurden im Plenum die erarbeiteten Konzepte und Projekte vorgestellt. Dann widmeten sich „gemischte" Gruppen ganz gezielten Themen. Beispiel Bahnhof: Die meisten Schul- und Freizeitpendler fühlten sich dort einfach unwohl und unsicher, weil keine Aufenthaltsräume zur Verfügung stehen, was besonders im Winter äußerst unangenehm sei. Bewusst ohne Fragen wie Organisation oder Finanzierung zu thematisieren, entwarf eine Gruppe im Konferenzraum der Schule die Vision eines Aufenthaltsraumes am Bahnhof, der in einen Eisenbahnwaggon integriert ist und etwa auf einem Abstellgleis stehen könnte. Ein Kiosk sei wünschenswert, natürlich auch ein Tisch, eine Leseecke, ein WC, ein Bildschirmarbeitsplatz und ein Tischfußball. Die Schüler wünschten sich ausdrücklich eine Betreuung, ein Alkohol- und Rauchverbot sollten selbstverständlich sein.

Im Computerraum grübelten derweil die Jugendlichen über der Frage, wie der aus ihrer Sicht unbefriedigenden Situation im öffentlichen Nahverkehr, insbesondere an den Wochenenden Abhilfe, geschaffen werden könnte. Untergruppen wurden gebildet, weil sich die Jugend aus Rockenhausen eben in Sachen Freizeit mehr in Richtung Kaiserslautern orientiert, während es junge Menschen aus der Verbandsgemeinde Alsenz-Obermoschel eher nach Bad Kreuznach zieht. Damit am folgenden Tag im Plenum nicht völlig utopische Vorstellungen präsentiert werden, ermittelten die Schüler mit Hilfe eines Routenplaners aus dem Internet, wie die Vision eines Sammelbusses, der die einzelnen Orte der jeweiligen VG mit der „Metropole" im Zwei-Stunden-Takt verbindet, in die Praxis umgesetzt werden könnte. Ob nicht am Ende die Fahrzeit länger wäre als die Aufenthaltsmöglichkeit am gewünschten Zielort und damit die Finanzierung unrealistisch. Eventuell sei das bereits existierende Angebot des Ruftaxis doch sinnvoller, auch wenn der Bedarf recht frühzeitig angemeldet werden muss, was dem Wunsch nach Spontaneität nicht gerade entgegenkomme.

Die dritte Gruppe beschäftigte sich im Mehrzweckraum mit den Möglichkeiten von Jugendtreffeinrichtungen und den Veranstaltungen, die dort angeboten werden sollten. Auch hier gab es - ein wenig überraschend - den übereinstimmenden Wunsch nach Betreuung und Beratung. Und im Rahmen der Organisation von Veranstaltungen könnte dann neben Musikevents, Kicker- oder Dartturnieren auch gegen „Rechts" aufgeklärt oder Aids-Prävention betrieben werden.

Ob die erarbeiteten Konzepte und Projekte letztendlich Eingang in das sich an ILEK anschließende Regionalmanagement finden, wird sich erst zu einem späteren Zeitpunkt zeigen. Wertvoll ist mit Sicherheit die Bestandsaufnahme aus Sicht der Jugendlichen und vor allem die Zusammenarbeit der drei Schulen, die einem immer noch verbreiteten „Kirchturmdenken" entgegenzuwirken sucht. (mhz)

DIE RHEINPFALZ, Freitag, den 27. Januar 2006