P ressebericht: Aids, Rassismus und südafrikanische Tänze

ROCKENHAUSEN: Gruppe "iThemba" stoppt auf ihrer Deutschlandtournee bei der Realschule

Außergewöhnlicher Besuch aus Südafrika in der Donnersberghalle. Die Gruppe "iThemba" hat auf ihrer Deutschland-Reise Station bei der Realschule Rockenhausen gemacht, die sich dadurch auch einen Überblick über die gesellschaftliche Situation in Südafrika verschaffen und jungen Menschen aus einem fremden Kulturkreis begegnen wollten.

Theatervorführung
Südafrikanisches Theater zum Thema Aids in der Donnersberghalle: die Gruppe "iThemba " gastierte auf ihrer Deutschlandtournee bei der Realschule Rockenhausen. -FOTO:NOBI

Die fünf Jugendlichen, die in und um Johannisburg leben, zeigten zwei afrikanische Tänze, von denen die Realschüler anschließend einige Tanzschritte lernten. Die Ziele von "iThemba", "Hoffnung", wurden auch im direkten Gespräch deutlich. Etwa der weiße Jugendliche, dem ein Schwarzer das Zimmer aufräumte, obwohl er selbst das gar nicht wollte. Auch das ist einer der Gründe, weshalb er jetzt auf der Tour durch Deutschland ist.

Das Theaterstück handelte davon, dass ein junger, schwarzer Afrikaner seinen Vater verliert und in die goldene Stadt Johannisburg losziehen muss, um seine Familie zu ernähren. Auf der Jobsuche trifft er alte Freunde und erfährt einiges über die Rassentrennung und die Gefahren der Großstadt. Dabei wird ihm erzählt, dass zwar jeder gleichgestellt ist, aber die Weißen die wirtschaftliche Macht besitzen. Schließlich findet der Schwarze einen Arbeitsplatz, muss allerdings eine Bescheinigung erstellen lassen, dass er kein Aids hat. Doch dann erfährt er die schreckliche Wahrheit: Er ist HIV positiv. Für ihn bricht eine Welt zusammen. Die jungen Darsteller zeigten mit dem Stück die größte Bedrohung Afrikas auf. Wenn man arm und schwarz ist, ist das Leben schwer, aber wenn man arm, schwarz und HIV positiv ist, dann wird einem das Leben zur Hölle gemacht. Für Infizierte gibt es wenig Hilfe und die Medikamente sind für einen "normalen" Bürger zu teuer.

Nach dem 90-minütigen Theaterstück, das die 18, 19, 20, 21, 22 und 25 Jahre alten Darsteller aufgeführt haben, ging es in die verschiedenen Workshops. Afrikanische Tänze wurden erlernt, über Rassismus und Versöhnung diskutiert oder über die Lebensweise der Afrikaner informiert. Etwa dass in einem Haus (etwa 27 Quadratmeter) zwölf Personen leben. Oft ist in diesen Häusern kein Bad und die Menschen müssen auf die Straße an einen Wasserhahn gehen, um sich zu waschen. Vor diesen Wasserhähnen stehen die Menschen morgens Schlange, da es nur einen in einer Straße gibt. Vor einigen Jahren war es sogar noch so, dass Weiße und Schwarze getrennte Toiletten benutzen mussten und die Schwarzen im hinteren Teil eines Busses sitzen mussten. In einem weiteren Workshop ging es um das Thema Aids. Allein in Südafrika sterben jährlich etwa vier Millionen Menschen an dieser Krankheit. Vor ein paar Jahren wussten die meisten Afrikaner gar nicht, was Aids eigentlich ist. Jetzt sind die meisten Leute zwar darüber informiert, aber sie schützen sich trotzdem nicht. Viele von den Menschen, die an AIDS erkranken, werden von ihrer Familie und ihren Freunden ausgegrenzt und ausgestoßen.

Im Gespräch mit "iThemba" wurde deutlich, was die jungen Leute am meisten auf ihrer Deutschland-Tournee vermissen: ihre Familien. Sie haben sie zuletzt im Januar gesehen und werden sie voraussichtlich auch erst wieder im Dezember sehen. Auf ihre Erfahrungen in Deutschland angesprochen, antworteten die Südafrikaner, dass sie von den Deutschen - trotz aller Unterschiede, die die beiden Kulturkreise natürlich noch trennen - immer sehr freundlich aufgenommen worden seien und sich immer willkommen gefühlt haben.

Von Sebastian Rzepka und Anna Schückler, Kl. 9b, Chefredakteure "Penne"

RON - RHEINPFALZ ONLINE, Samstag, 14. Jun 2003

 

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