ressebericht - 07. Dez. 2001 |
|
ROCKENHAUSEN: Realschule führt Schüler mit „Erlebniskonzert" zur Klassik – Auch Instrumente wurden ausprobiert Am Mittwochvormittag im Filmsaal der Donnersberghalle Rockenhausen: Zwei Damen in Konzertkleidung sind ins Gespräch vertieft, der Flügel steht einsatzbereit auf der Bühne. Ansonsten herrscht angespannte Ruhe, wie sie vor Konzerten üblich ist. Doch eine Matinée mitten in der Woche? |
Kurz darauf „stürmen" rund hundert Sextaner über die Freitreppe in den Saal. Die beiden schwarz bekleideten Damen verschwinden hinter dem Vorhang und die Szenerie wechselt schlagartig. Plötzlich sieht alles nach ganz normalem Schulbetrieb aus. Die Erklärung für die Gegensätze, die da aufeinander prallen, liefert Renate Bechter, Lehrerin an der Realschule und Organisatorin des Projektes „Erlebniskonzert", zu dem sie die Schüler der fünften Klassen eingeladen hat.
Mit von der Partie sind Andrea Brixius, in Alsenz lebende Geigerin, und Isanna Woronzowa. Die Pianistin stammt aus der Ukraine und lebt und arbeitet in Bad Kreuznach. Mit dem Projekt soll versucht werden, Jugendliche an den klassischen Konzertbetrieb heranzuführen. Und dem entsprechend gab es dann auch alles, was so dazugehört. Vom Auf- und Abmarsch hinter den Vorhang, dem erklärenden Hinweis, dass bei mehrsätzigen Kompositionen erst nach dem letzten Teil geklatscht wird und den obligatorischen Blumen für die Ausführenden.
Erstaunlich ruhig und diszipliniert verfolgten die Sextaner die Darbietungen während des Konzertprogramms und äußerten ihre Begeisterung durch teils frenetischen Beifall. Sicher waren auch die Ausführungen zu den einzelnen Werken hilfreich für das Verständnis dessen, was da zu hören war.
Die Aufforderung, Fragen zu stellen, war noch nicht richtig ausgesprochen, als unverzüglich die Finger in die Höhe gingen. Wie ein unversiegbarer Quell sprudelten die Fragen aus neugierigen Schülermündern hervor. „Wie lange spielen sie schon?", „was kostet denn so ein Instrument?", „hat es lange gedauert, das Programm einzustudieren?" oder auch „wie ist das, da oben auf der Bühne zu stehen?" und „wie haben sie sich überhaupt kennen gelernt?", lauteten die Fragen, die von den beiden Musikerinnen geduldig beantwortet wurden.
Als „Bonbon" durften die Schüler dann auch noch die Instrumente ausprobieren, was ebenfalls regen Zuspruch und Interesse fand. Zur Klavierbegleitung des Weihnachtsliedes „O Tannenbaum" nutzten viele Schüler die Gelegenheit, die Saiten der Geige zu zupfen. Mittels Sprechchören wurden schließlich alle Lehrerinnen nach und nach auf die Bühne „genötigt", um ihre Fertigkeiten unter Beweis zu stellen.
Auch wenn nicht unbedingt zu vermuten ist, dass die Anmeldungen bei der Kreismusikschule jetzt sprunghaft ansteigen, ging das Konzept auf, Berührungspunkte abzubauen und den Schülern ein tieferes Verständnis für die Welt der klassischen Musik zu vermitteln. (mhz)
ron, 07.12.2001