ressebericht - 17. Okt. 2003 |
ROCKENHAUSEN: Lehrer-Seminar im Schlosshotel
¸¸Mathe kann auch Spaß machen" - diese Botschaft transportierten die Referenten der Veranstaltung ¸¸Mathematik - realitätsnah und spannend", zu der 140 Lehrer aus ganz Rheinland-Pfalz ins Schlosshotel nach Rockenhausen gekommen waren.
Organisiert wurde die Veranstaltung vom Arbeitskreis Schule und Wirtschaft, Donnersbergkreis, in Kooperation mit dem Dachverband Studienkreis Rheinland-Pfalz und dem Landesverband des Deutschen Vereins zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts (MNU).
Die Rektorin der Realschule Rockenhausen, Christiane Schönauer-Gragg, die zusammen mit Bernd Knipper (Leiter Personalförderung/Bildungswesen bei Keiper) das Projekt Schule und Wirtschaft leitet, lobte die ¸¸heitere Atmosphäre" des Seminars: ¸¸Wir haben viele interessante Anregungen für einen spannenden und realitätsnahen Unterricht erhalten." Auch Knipper betonte: ¸¸Die Referenten haben das ganz hervorragend gemacht."
Kaum noch Berufe ohne Mathe
Diese kamen vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium, aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Schule nach Rockenhausen, um in ihren Vorträgen zu zeigen, so Knipper, ¸¸dass Mathematik kein Ding ist, vor dem man Angst haben muss". Mehr Praxis, mehr Spaß, mehr Niveau - auf diese Kurzformel lässt sich die Intention der Veranstaltung bringen, deren Notwendigkeit MNU-Vorsitzende Renate Stück wie folgt begründete: ¸¸Es wurde in der Mathematik eine Zeitlang nicht mehr viel Wert auf Übungen gelegt. Dabei ist die Bedeutung von mathematischen Kenntnissen im Lauf der Zeit viel stärker geworden. Es gibt kaum noch Berufe oder Studiengänge, die ganz ohne Mathematik auskommen."
Fehlende Grundkenntnisse beklagt
Mit den gestiegenen Anforderungen, so Knipper, konnte das Basiswissen der Schüler nicht Schritt halten - im Gegenteil: ¸¸Die Klagen von Seiten der Industrie und des Handwerks wurden immer größer, den Auszubildenden fehle es an Grundkenntnissen." Daher sei der Arbeitskreis schon seit längerem bemüht, eine stärkere Praxisorientierung im Mathematikunterricht an den Schulen des Donnersbergkreises zu erreichen. Knipper: ¸¸Ausgangspunkt war die schulartübergreifende Fachkonferenz Mathematik, zu der wir im März 2002 eingeladen hatten." Die Ergebnisse dieser Konferenz seien allen Schulen zugänglich, ¸¸was die jeweilige Schule draus macht, ist natürlich ihre Sache".
Wieviel Mathe braucht ein Bäcker?
Ein weiteres Projekt des Arbeitskreises steht kurz vor der ¸¸Marktreife", wie Knipper erläuterte: ¸¸Wir sind dabei, eine digitale Mathematik-Aufgabensammlung zu erstellen, die wir von vielen regionalen Ausbildungsbetrieben erhalten haben. Um in der Sprache der Produktion zu bleiben: Die Vorserie ist abgeschlossen, jetzt müssen wir noch nachbessern, dann kann die Serie starten." Mit diesem Fragenkatalog wird es Schülern möglich gemacht, sich zu informieren, welche mathematischen Kenntnisse zum Beispiel nötig sind, wenn man Bäcker werden will.
Auch Eltern müssen mehr tun
Schönauer-Gragg hat während der Erprobung des Projekts an der Realschule die Erfahrung gemacht: ¸¸Die Praxisnähe zieht und motiviert. Was kann einem Schüler denn besseres passieren, als zu erfahren, was ihn bei seinem Einstellungstest an mathematischen Fragen erwartet?" Sie weist allerdings darauf hin, ¸¸dass mit der Zeit auch wieder die Ansprüche der Wirtschaft steigen, die ja um diese Hilfe weiß. Das ist aber in Ordnung, Ansprüche und Kenntnisse haben sich lange genug gegenseitig herunter geschaukelt. Doch spätestens seit Pisa ist damit Schluss." Für Knipper war ¸¸heute eindeutig ein Konsens spürbar, dass etwas getan werden muss. Wir hoffen allerdings, dass da auch die Schulen mitziehen und uns Rückmeldungen geben, wie das Projekt angenommen wird." Sowohl in den Unterricht als auch in AGs könnte die Aufgabensammlung einfließen, der Rest, so Knipper, ¸¸liegt in der Eigeninitiative der Schüler".
Doch nicht nur die Lehrer dürften in die Pflicht genommen werden, wie Walter Schwab, Leiter der Keiper-Lehrwerkstatt betont: ¸¸Auch die Eltern sind gefordert, viel mehr und viel früher mit ihren Kindern Mathe zu üben. Es kann doch beispielsweise nicht sein, dass Kinder in der vierten Klasse die Uhr noch nicht kennen." Und Rück ergänzt: ¸¸Wir müssen dazu beitragen, dass Mathematik wieder ein besseres Image bekommt. Es hilft nichts, zu seinen Kindern zu sagen: "Ach, das ist nicht schlimm - ich hatte auch eine Fünf in Mathe"." (kra)
Quelle: Rheinpfalz Verlag GmbH & Co. KG, 17.
Oktober 2003