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ressebericht: Streitschlichtung

Schüler lernen an der Realschule das Streitschlichten

Endlich Pause! Erleichtert stürmen die schreienden Kids auf den Schulhof, um sich auszutoben. Nicht selten kommt es zu Streitereien. Der Steffen spuckt dem Peter ins Gesicht und die Anna zieht der Lena kräftig an den Haaren. Die scheußlichsten Schimpfwörter durchdringen die Luft. Manchmal kann selbst ein geworfener Ball, der unbeabsichtigt eine Person trifft, diese zum Ausrasten bringen.

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Streitschlichten bedeutet Zuhören 

Doch warum diese heftige Reaktion und Wut auf den unschuldigen Ballwerfer? War der Vorfall nur der Auslöser eines angestauten Konflikts? Welches tiefersitzende Problem haben die beiden Streithähne? Ein eindeutiger Fall für die Streitschlichter der Realschule Rockenhausen.

Im Rahmen der Suchtpräventionswoche präsentierte die zu Streitschlichtern ausgebildete achte Klassenstufe in einem Rollenspiel ihre Vorgehensweise bei einer Konfliktlösung. Vor zweieinhalb Jahren begann ihre Ausbildung in der Projektwoche und wurde in einer Arbeitsgemeinschaft fortgeführt. In dieser Zeit haben die Streitschlichter viele Erfahrungen gesammelt und wissen nun geschickt einen Streit zwischen ihren Mitschülern zu klären. Wenn die Konfliktparteien dazu bereit sind, dürfen sie in Ruhe, ohne sich mit Schimpfwörtern zu bombardieren, ihre jeweilige Sichtweise schildern. Die unparteiischen Streitschlichter versprechen ihre Schweigepflicht einzuhalten und hören aufmerksam zu.

Schnell stellt sich heraus, dass der Ball nur die "Bombe" zum Platzen gebracht hat und in der Vergangenheit des öfteren Meinungsverschiedenheiten herrschten. Wie Profis holen die Konfliktmoderatoren mit taktischen Strategien die Wahrheit ans Licht und helfen den "Patienten" die gegenseitige Lage zu verstehen. Diese offenbaren mutig ihre tiefsten Gefühle und entdecken sogar selbstständig eine Lösung für ihren Streit.

"Mir macht es total viel Spaß meinen Mitschülern zu helfen. Ich geh jetzt auch anders mit meinen Konflikten um, weil ich den Aufbau kenne und mich deswegen anpassen oder einen Ausbruch vermeiden kann", erzählte die begeisterte Doreen, 13 Jahre. "Das Streitschlichten wird mir bestimmt auch im Beruf und in meinem Leben weiterhelfen", so Katharina. "Ich hab sogar schon in meiner Familie geholfen." Besonders das aktive Zuhören und die konkrete Fragestellung trainierten die Schüler mit ihrer Ausbilderin Maria-Theresia Kless in spielerischen Übungen und auslebenden Rollenspielen.

Das Abenteuer "Konflikt" zog auch die Lehrkräfte Anette Stutzmann und Frauke Dennerle in den Bann, die ebenfalls bei der Mediatorin Kless die Grundausbildung absolvierten. Sie betreuen die Arbeitsgemeinschaft, in der sie über aktuelle Streitfälle diskutieren. Geplant sind eine Informationswand und der Einstieg in die Streitschlichterausbildung für alle Klassenstufen in der Projektwoche. In Zukunft möchte Maria-Theresia Kless ihre Idee einer Vernetzung von verschiedenen Schulen des Kreises verwirklichen. Die Nachfrage für eine Streitschlichterausbildung ist groß. Bereits im Kindergarten und in der Grundschule wird das Konzept verwirklicht.

Eine solche Vernetzung im Donnersbergkreis ist bisher einmalig. Alle sollen die gleiche Ausbildung von der gleichen Lehrkraft erhalten und Fortbildungsmöglichkeiten sowie Streitschlichtertage zum gemeinsamen Austausch besuchen können. "Ich finde es wichtig eine effektive und sinnvolle Streitkultur zu schaffen, die ihren Ansatzpunkt schon im Kindergarten findet. Dort kommt dann beispielsweise der Streitschlichtkasper. Die Kinder und Jugendlichen sollen unterstützt werden, eine Umgangsmöglichkeit mit Gewalt und Konflikten zu finden,", so die begeisterte Mediatorin. "Ich bin immer wieder fasziniert wie schnell die Jungs und die Mädchen die Sache auf den Punkt bringen." Die jungen Streitschlichter können stolz sein auf ihre erworbenen therapeutischen Fähigkeiten und die Bereitschaft, Gewalt durch klärende, verantwortungsvolle Gespräche zu vermeiden.  (inu)

Rheinpfalz - ron, 26. Okt. 2001


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