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ressebericht - Sept. 2000


Ungarnflagge   Realschüler in Ungarn

Seit mehr als sechs Jahren unter-hält die Realschule Rockenhausen einen intensiven Kontakt zum Zrinyi-Miklos-Gymnasium in Zala-egerszeg. Die ungarische Schule sendet jährlich etwa 30 Schüler nach Deutschland. Den vierzehn bis sechszehnjährigen Jugend-lichen soll hier die Gelegenheit geboten werden ihre Sprachkennt-nisse zu erweitern, aber auch das Land und seine Menschen kennen zu lernen. Aber nicht nur die Ungarn sollen unser Land kennen lernen, man möchte auch den deutschen Schülern die Gelegen-heit geben, einen Blick in das All-tagsleben einer ungarischen Familie zu werfen und deren Land ein wenig lieben zu lernen.

Im ungarischen Unterricht

 

So sind die beiden ersten Tage Familientage. Die deutschen Schüler lernen die Besonderheiten des ungarischen Alltagslebens kennen und haben die Gelegenheit einen engen Kontakt zu ihren ungarischen Partnern herzustellen. Häufig besuchen sie mit ihrer neuen Familie traditionelle ungarische Feste, machen Familienausflüge oder verbringen die Zeit im Wochenendhaus der Familie am Plattensee.

Da Zalaegerszeg eine Stadt mit sechzigtausend Einwohnern ist, besitzen die meisten Familien auch ein Wochenendhaus, entweder am Plattensee oder außerhalb der Stadt in einem Weinberg. In diesem Jahr allerdings mussten die ungarischen Schüler schon am Sonntag um 17 Uhr in der Schule sein, denn das Schuleröffnungsfest wurde gefeiert. In der Schuluniform, weiße Matrosenbluse und blauer Rock die Mädchen und dunkler Anzug mit Krawatte die Jungen, versammelten sich die sechshundert Schüler des Zrinyi-Miklos-Gymnasiums in der neuen Turnhalle.

Feierlich eröffnete der Direktor das neue Schuljahr und überreichte zahlreichen Schülerinnen und Schülern, die das vergangene Schuljahr besonders erfolgreich abgeschlossen hatten, Buchpreise. Gleichzeitig wurden auch die neuen Schüler der Klassen 5 und 9 begrüßt. Die Schüler der Realschule ließen es sich nicht nehmen, sich zwischen die Schüler des Zrinyi-Miklos-Gymnasiums zu stellen, was allerdings dazu führte, dass man einige fragte, warum sie keine Schuluniform trügen. Umrahmt wurde die Feierstunde vom Schulchor, der auch schon in Rockenhausen gastierte.

Am nächsten Tag begann das gemeinsame Programm der Austauschgruppe. Um acht Uhr begann die Arbeit am Comenius-Sokratesprojekt, das beide Schulen seit drei Jahren gemeinsam bestreiten. In diesem, von der EU geförderten Programm, geht es darum junge Menschen im zusammenwachsenden Europa einander näher zu bringen. Das Kali-Becken im Oberland des Plattensees war das Ziel. Dieses Gebiet ist seit 1997 im Nationalpark Balaton-Oberland zusammengefasst. Aufgabe des Nationalparks ist es, den natürlichen Zustand des geschützten Gebiets zu bewahren. Aus diesem Grunde ist die Gegend in eine streng geschützte Region, eine behandelte Naturzone und eine touristische Pufferzone aufgeteilt. Außer in der Bewahrung von Naturschätzen, spielt der Naturpark auch in der Organisation des Ökotourismus am Plattensee eine große Rolle. Die Exkursion der Gruppe erstreckte sich auf das Besucherzentrum in Salföld, wo man Informationen über traditionelle ungarische Haustiere erhielt, das Steinerne Meer und den Spitznadelberg. Mit Erstaunen erfuhr man, dass es im Kali-Becken seit April nicht mehr geregnet hat und man konnte meilenweit ausgetrocknete Bäche und braungefärbte Wälder und Wiesen sehen.

Daneben wurde auch ein traditionelles Bauernhaus der Gegend besichtigt und mit Entsetzen erfuhren die Schüler, dass auf dem lehmgestampften Boden der guten Stube und in der Küche ohne Schornstein noch bis 1990 die Eltern des jetzigen Besitzers wohnten. Zum Abschluss des ganztägigen Programms wurde auf der Burg Szigliget die Historie des Kali-Beckens nochmals erläutert. Aber was wäre eine landeskundliche Exkursion Ungarns ohne einen Besuch der Hauptstadt. Zwei Drittel der Bevölkerung Ungarns lebt in der Hauptstadt und das Ziel der Jugend ist es dort zu arbeiten; entsprechend bluten die Dörfer auf dem Land aus. Vier Stunden dauert die Reise von Zalaegerszeg nach Budapest über eine holprige Autobahn, bis endlich der Gellertberg erreicht ist. Von hier aus kann man einen phantastischen Blick auf die Stadt genießen. Aber auch ein Besuch der Burg, der Matthiaskirche, der Fischerbastei und der Basilika dürfen nicht fehlen.Die Schüler erfuhren viele interessante Dinge über die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner. Nach einem Entspannungsbummel ging es zur Künstlerstadt Szentendre. Hier, inmitten der engen Gässchen und schönen kleinen Häuser, galt es direkt am Donauufer das serbische Erbe Ungarns zu bewundern.

Krönender Abschluss des Tages war wieder der Gellertberg, wo uns der Blick auf die beleuchtete Stadt mit der Kettenbrücke und dem Parlament für die Anstrengungen des heißen Tages belohnten. Erst nach Mitternacht erreichte die Gruppe wieder Zalaegerszeg. Nach einer solchen Strapaze erstreckte sich am nächsten Tag das Programm nur auf den Vormittag. Es galt, das in einem Schnupperkurs erlernte ungarisch zu vertiefen und anzuwenden. Bei dieser Gelegenheit begrüßte Direktor Horvath nochmals die deutschen Schüler und stellte ihnen seine Schule vor. In seiner Begrüßung dankte er den Initiatoren der Schülerbegegnung, Beate Geminn, Karl Nez und Istvan Lörincz nochmals für ihr Engagement und betonte dabei besonders die Bedeutung des Sokratesprojektes und des Schüleraustauschs für die Zukunft.

Nach einem Presseinterview wurde anhand der Freilichtmuseums in Zalaegerszeg die Siedlungsgeschichte Ungarns erläutert. Da auch ein Bad im Plattensee zu den Erfahrungen eines Ungarnbesuchs gehört, bot das strahlende Wetter am nächsten Tag die richtige Gelegenheit dafür. Zuvor wurde noch eine herrliche Schifffahrt auf dem See unternommen. Die Gruppe erhielt hier zahlreiche Erläuterungen über den umweltfreundlichen Tourismus, den man in diesem Bereich des Plattensees aufbauen möchte. Am letzten gemeinsamen Tag unternahm man eine Wanderung im herrlichen Bakonywald. Zum Abschluss wurde die Zisterzienserabtei in Zirc besucht, wo man sehr interessante Informationen über die Flora und Fauna der eben durchwanderten Region erhielt. Die schöne Zeit in Ungarn endete mit vielen Tränen und dem Versprechen sich spätestens im nächsten Jahr wiederzusehen.

Von Beate Geminn

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