Zehn angehende Medizinerinnen und Mediziner lernen den Donnersbergkreis kennen

    Der Ärztemangel ist längst Realität. Und weil in den nächsten Jahren viele Medizinerinnen und Mediziner in den Ruhestand gehen werden, wird er sich verschärfen. Die Kreisverwaltung des Donnersbergkreises versucht aber, im Rahmen des Möglichen gegenzusteuern. Und hat nun künftige Ärztinnen und Ärzte eingeladen, sich anzusehen, wo sie einmal tätig werden könnten.

    Diese Gelegenheit nutzten beim "Mediziner Camp Donnersbergkreis" zehn junge Frauen und Männer. Sie erhielten dabei Einblicke in das Westpfalzklinikum an den Standorten Rockenhausen und Kirchheimbolanden sowie Praxen in Alsenz und Albisheim. Auch ein "Baustellentreff Gesundheitsforum Winnweiler" gehörte zum Programm. Neben dem fachlichen Austausch ging es aber auch darum, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu zeigen, wie attraktiv die Region ist und so weitere Anreize zu schaffen, dass sie für sich die Entscheidung treffen, sich hier beruflich und privat niederzulassen. So gab es nicht nur Stadtrundgänge durch Rockenhausen und Kirchheimbolanden und eine E-Bike-Tour, sondern auch ein gemeinsames Abendessen, eine Information zu Beschäftigungsmöglichkeiten für Partnerinnen und Partner und einen gemeinsamen Ausklang im Zellertal.

    Den künftigen Ärztinnen und Ärzten werden die Vorzüge der Region schmackhaft gemacht

    Es ist die Premiere dieser Veranstaltung der Stabstelle Wirtschaftsförderung, Standortentwicklung und Klimaschutz unter Leitung von Reiner Bauer gewesen. Vor allem an der Universität Mainz wurde sie beworben, aber durch "Mundpropaganda" sind auch weitere Kreise angesprochen worden, sodass eine Mischung aus Mainzer Studentinnen und Studenten und solchen, die weiter weg tätig sind beziehungsweise bereits in der praktischen Phase, erreicht wurde. Zum Teil kommen sie aus der Region, zum Teil aus anderen Teilen der Republik.

    Donnersberg-Touristik-Verband-Chef Simon Lauchner schenkte jeder und jedem unter anderem ein Dubbeglas, der Landkreis zahlte die Übernachtung und das Frühstück während des "Camps", kommunale Partner vor Ort stellten die anderweitige Verpflegung. So nahm sich beispielsweise Michael Cullmann, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land, auch die Zeit für einen Stadtrundgang durch Rockenhausen, bei dem er die Vorzüge des Standorts aufzeigte: "Wir haben hier alles vom Kitaplatz bis zum Abitur." Auch den Standort des künftigen Medizinischen Versorgungszentrums zeigte er.


    Viele der jungen Leute können sich durchaus vorstellen, künftig in der Allgemeinmedizin zu arbeiten und sich auf dem Land niederzulassen. Sebastian Boegel hat dieses Ziel bereits fest vor Augen. Er lebt mit seiner Familie in Obermoschel und ist als Zugezogener begeistert von der Region. "Ich wohne hier mit meiner Frau und den Kindern, da liegt es nahe, hier auch einmal eine Praxis zu eröffnen." Als Hausarzt tätig zu sein wäre für ihn eine spannende Aufgabe. Über die Möglichkeit des Austauschs während der zweitägigen Veranstaltung freute er sich sehr.

    Auch Anja Gansewendt, Maren Breetholt und Yannic Hage waren angetan vom "Mediziner Camp". Breetholts Mutter ist selbst Hausärztin, sodass die Tochter die schönen und weniger schönen Seiten des Berufs seit ihrer Kindheit erleben konnte - und schon als Kind habe sie gewusst, dass sie Ärztin werden wolle. Zunächst möchte sie Erfahrungen im Krankenhaus sammeln, kann sich aber vorstellen, dann ebenfalls Allgemeinmedizinerin zu werden. Womöglich in der Pfalz, denn die Region gefällt der Münsterländerin sehr gut, die Menschen findet sie sympathisch. In der Allgemeinmedizin gebe es sicherlich eine bessere Work-Life-Balance als in der Klinik, sagte Gansewendt, und Hage ergänzte, dass die breite Diagnostik spannend sei.

    Beim Gespräch mit dem Patienten selbst eine Diagnose stellen

    In der Praxis von Dr. Johannes Blank, die er in Alsenz gemeinsam mit Dr. Catherine Fiegel betreibt, konnten die Studentinnen und Studenten selbst versuchen, im Gespräch mit Patienten herauszubekommen, was ihnen fehlt. Dabei merkten sie auch, was Blank zuvor betont hatte: Hier habe man intensiver mit den Menschen zu tun als in anderen Fachrichtungen, man begleite sie auf ihrem Lebensweg und sei der erste Ansprechpartner. Es gebe heute mehr Vor- als Nachteile als Hausarzt und könne sich seine Zeit freier einteilen als in der Klinik. "Es war auch noch nie so einfach, eine Praxis zu übernehmen, man bekommt sie ja fast geschenkt."


    Denn der Ärztemangel werde immer greifbarer. Auch in Alsenz und der Region. Innerhalb kürzester Zeit hätten drei Ärzte ihre Praxen geschlossen, 3000 Patientinnen und Patienten müssten nun anderweitig versorgt werden. Doch der Einzelkämpfer sei ein Auslaufmodell, junge Medizinerinnen und Mediziner wollten heute im Team arbeiten, am liebsten angestellt, um einen besseren Mix aus Arbeit und Freizeit zu erreichen und weniger finanzielle Risiken zu haben. "In Rheinland-Pfalz stehen 250 Praxen leer, der Altersschnitt der Ärzte liegt bei 58. Im Jahr 2025 wird auf dem Land die Hälfte der Praxen zumachen." Doch bis dahin Nachwuchs zu finden sei unmöglich, zu lange hätten die Politik und andere Verantwortliche versäumt, etwas zu tun. Auch dass womöglich das Krankenhaus in Rockenhausen über kurz oder lang wegfalle, sei ein Unding. Die medizinische Versorgung auf dem Land zu gewährleisten, werde immer schwieriger.

    SWR und Rheinpfalz berichten über das "Mediziner Camp"

    Das Interesse an diesem Thema ist auch bei den Medien groß. So begleitete ein Kamerateam des Südwestrundfunks (SWR) die Gruppe in Rockenhausen und Alsenz (hier geht es zur Nachrichtensendung), eine Mitarbeiterin der Rheinpfalz war in Kirchheimbolanden und Albisheim dabei.

    Dort zeigte Dr. Ulf Christian Niwa seine moderne, neue Praxis, in der auch zwei Ärztinnen tätig sind. Der Bedarf sei so groß, dass selbst aus Worms, Grünstadt oder Alzey Patienten kämen. Angesichts dieses Andrangs sei die Kunst, die Balance zwischen der Behandlung akuter Fälle und planbaren Untersuchungen zu wahren. Mit der Gemeinde gebe es einen sehr guten Austausch, mit ihr zusammen wurde der Neubau, in dem sich die Praxis befindet, geplant. In ihr wird weitgehend papierlos gearbeitet, für Hausbesuche gibt es ein eigenes Notebook, um alle Informationen direkt digital verarbeiten zu können. Und dank der Technik sind auch eine Video-Sprechstunde und das Arbeiten von zu Hause für das Team möglich. Die Studentinnen und Studenten und eine junge Assistenzärztin, die beim "Mediziner Camp" teilnahmen, konnten in der Praxis direkt die Sonographie des Halses üben. Und so einen weiteren praktischen Einblick in die Allgemeinmedizin bekommen - bevor es zum gemütlichen Ausklang im Zellertal ging.

    Kontakt: Wer Interesse hat, medizinisch im Landkreis tätig zu werden, kann sich mit Gesundheitsmanagerin Nagihan Bostanci austauschen. Sie ist telefonisch unter der Rufnummer 06352/710-486 oder per Mail unter  zu erreichen. Wirtschaftsförderer Reiner Bauer hat die Telefonnummer 06352/710-126 und die Mailadresse .





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